ATELIER MARIA KREUZER

2016
AUSSTELLUNGS - PRESSE ARCHIV

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ATELIER MARIA KREUZER

SA 10-06-2016 - 11:00 Uhr

Auszug aus der Laudatio zur
Vernissage SA 10.06.2017 I 11.00 UHR

von Dr. Heinz Linduschka

AUSSTELLUNG
SA 10.06. - SO 02.07.2017 

WIRTSCHAFTSPRÜFER - STEUERBERATER
EDELMANN & ZIMMERMANN

ZEIGEN BILDER VON
MARIA KREUZER

AUSSTELLUNG:
BEWEGUNG
NEUE ARBEITEN 2016-2017


Theodor W. Adorno: "Die Künste werden um so weniger genossen, je mehr einer davon versteht."

Maria Kreuzer war Jahrzehntelang aus Amorbach nicht wegzudenken, Amorbach will und kann auf Adorno und auf die Erinnerung an ihn nicht verzichten, und deshalb nehme ich mir dieses Zitat natürlich zu Herzen, will gar nicht so tun, als verstünde ich viel von Kunst und versichere Ihnen einfach: Ich genieße Kunst und sie ist ein unverzichtbarer Teil meines Lebens.

Der Vorteil für Sie: Sie müssen nicht fürchten, dass ich Ihre Zeit mit einem ellenlangen Vortrag über Kunst strapaziere. Bei den abstrakten Bildern der Malerin und ehemaligen Galeristin Maria Kreuzer bewundere ich seit vielen Jahren, wie konsequent die Künstlerin ihren Weg geht und dabei trotz aller scheinbaren Um- und Seitenwege nie das Ziel aus den Augen verloren hat. Der Weg vom Konkreten zum Abstrakten zeichnet die Arbeit von Maria Kreuzer als Malerin aus, ihre ausgeprägte Bescheidenheit und vor allem ihr sicherer Blick für Ästhetik und Komposition sind ganz sicher auch Gründe dafür, warum diese kleine Ausstellung mit neuen Arbeiten viel Aufmerksamkeit verdient und diese Kanzlei für die nächsten zwei Wochen in eine bemerkenswerte Galerie verwandelt. Und obwohl ich Maria Kreuzer und ihre Bilder schon so lange kenne, schafft sie es doch immer wieder mich zu überraschen. Als ich vor einer knappen Woche die zwei Dutzend neuen Bilder aus den letzten Monaten in dieser Ausstellung zum ersten Mal sah, war das für mich ein reines Vergnügen. Wenn Kunst ein Spiegel der Seele ist, dann spiegeln diese neuen Arbeiten ganz ohne Zweifel, dass die Künstlerin alle Schicksalsschläge auch mit den Mitteln der Kunst vielleicht nicht überwunden, aber für sich so verarbeitet hat, dass sie immer wieder in ihrer Kunst Kraft und neuen Lebensmut gewinnt. Und das Schöne: Die Kraft der Farben und Formen, die diese Bilder ausstrahlen, sind auch für uns Betrachter die beste Medizin, die man sich wünschen kann – wenn, ja wenn man die Offenheit und die Sensibilität besitzt, die Kraft und die Ausstrahlung der Bilder wahrzunehmen – und ich bin mir ganz sicher, dass Sie alle, die heute den Weg in die Ausstellung gefunden haben, mit offenen Augen und Herzen zu dieser Vernissage gekommen sind. „Bewegung“ lautet der Titel dieser Ausstellung und wenn Sie mit den genannten offenen Augen die Bilder von 2016 und 2017 auf sich wirken lassen, wissen Sie, warum. Auch in der Kunst gilt: Stillstand ist Rückschritt – und logisch – Bewegung ist das Gegenteil davon.

»Ich kann nichts dafür, dass meine Bilder sich nicht verkaufen lassen. Aber es wird die Zeit kommen, dass sie mehr wert sind als das Geld für die Farbe«, sagte Vincent van Gogh in einer Mischung aus Trotz, Ironie und Selbstbewusstsein. Es wäre sicher falsch, das 1:1 auf die Bilder der Maria Kreuzer zu übertragen, allerdings kann und sollte man ruhig darauf hoffen, dass sie mit ihren Arbeiten in der Zukunft noch mehr als bisher den Erfolg hat, den ihr Mut zum Experiment, das stetige Sich-Weiterentwickeln, die ungebremste Lust am Spiel mit Farben und Formen, der kreative Umgang mit Farbflächen und Farbräumen verdient haben. Das alles ist übrigens ganz unabhängig von den Zahlen, die das menschliche Alter angeben, Kunst kann – und auch dafür ist die Künstlerin ein wunderbares Beispiel – helfen, die Mühen des Älterwerdens und Schicksalsschläge – nein nicht zu vergessen, aber besser mit ihnen umzugehen. „Der Kampf um die Form und zum Schluss das gelungene Bild bringen mein Herz zum Klingen“, formulierte Maria Kreuzer sensibel und entschieden ihr künstlerisches Credo, das sie vierzig Jahre als Galeristin mit den harmonischen, niveauvollen und mutigen Ausstellungen in ihrer renommierten Galerie in Amorbach vorlebte und das sie bis heute als Malerin mit ungebrochener Experimentierfreude und einer ungebremsten Freude an der „sinnlichen Aktion“ praktiziert.

So versteht sie ihr Malen. Ob Ölgemälde auf Papier und Leinwand, ob Pastellbilder, ob farbintensive Collagen, ob Bilder mit dreidimensionaler Struktur: die Malerin, die im Jahr 2000 mit dem Kunstpreis der Stadt Amorbach ausgezeichnet wurde, spielt souverän und im besten Sinn unberechenbar mit allen Facetten der Malerei. Dass dabei die persönliche Stimmung, die jeweilige Verfassung der Künstlerin viel Einfluss darauf haben, ob kraftvolle, intensive Farben oder eher zarte Pastelltöne dominieren, darf man mit guten Gründen vermuten - die Kunst ist für Maria Kreuzer eben etwas Existentielles, ist Ausdruck ihres Inneren. Mit ihren Bildern will die Malerin die Phantasie der Betrachter anregen, Bilder in deren Kopf wachrufen und ganz sicher auch das Herz erreichen. Lyrisch-zarte neben expressiv-kräftigen Stimmungen – wer Kopf und Herz ansprechen will und sein Inneres in Formen und Farben gießt, der kann gar nicht anders, als alle Facetten der großen Palette ausreizen.
Es wäre falsch, bei Maria Kreuzer nach einem Vorbild im engeren Sinn zu suchen.

Emil Schumacher aber darf man ganz sicher als den Leitstern auf ihrem Weg bezeichnen. Der Eigenwert der Farben in seinem Werk und deren psychische Wirkung haben erkennbare Spuren im ihrem Werk hinterlassen, die informelle Malerei ohne in Erz gegossene Kompositionsregeln, mit neu erfundenen Zeichen, mit der Rhythmik von Linien und Farbflächen bestimmt das Arbeiten der Künstlerin, für die Informel kein Korsett, keine Regelkunde geworden ist, sondern die Grundhaltung für ihr Malen bildet. Dabei spielt das Un- und Unterbewusste eine große Rolle, steht oft der Malakt selbst im Zentrum – mit allen Unwägbarkeiten, von denen manchmal die Künstlerin selbst überrascht werden kann, Formauflösung und Formwerdung sind zwei Stichworte, die die informelle Kunst charakterisieren und auch die Bilder aus den letzten beiden Jahren prägen, die hier zu sehen sind. „Die Ausübung der Kunst ist ein großer Teil meines Ichs, es ist mir die Luft, in der ich atme“, dieses Bekenntnis der Malerin verrät mehr über ihre Bilder als ich es mit meiner kleinen Vernissagerede kann.

Sie erinnern sich das anfangs genannte Zitat Adornos: Hier gebe ich Adorno Recht – bei den Bildern von Maria Kreuzer wäre es sicher falsch, wortreich nach Erklärungen zu suchen – und ich vermute, darin stimmt die Künstlerin mit mir überein. Manchmal sind Kunstwerke sogar klüger als ihre Schöpfer – und das spricht sicher nicht gegen die Künstler, eher für die Qualität ihrer Kunst. Vor den Bildern ist der Betrachter selbst gefordert, muss er selbst entscheiden, ob und was er mit ihnen anfangen kann, was sie ihm zu sagen und zu geben haben. Nur eines machen sie ganz deutlich. Die pauschale Aussage des französischen Schauspielers und Komikers Pierre Richard – für Filmfreunde: der große Blonde mit dem schwarzen Schuh - ist zwar ganz lustig, stimmt aber natürlich nicht. Er sagte: „Der Vorteil der abstrakten Malerei liegt darin, dass Frau und Kinder weitermalen können, wenn Papa einmal krank im Bett liegt.“

Wer sich auf die Bilder von Maria Kreuzer einlässt, der sieht und fühlt, dass hier jemand auf der Basis einer soliden handwerklichen Ausbildung, mit großem Ernst und mit sehr viel Phantasie und Kreativität Stimmungen, seelische Zustände, Ängste und Hoffnungen in Farben und Formen gegossen hat, die sensiblen Zeitgenossen mehr Gewinn versprechen als noch so lange Vorträge und wohlfeile Ratschläge. In seinem Kleinen Kunst-Knigge formulierte 2010 der Kulturjournalist Walter Schmidt Zehn goldene Regeln für Galerie-Besucher. Er sagte dort über die Laudatio: „Sie ist die größte Klippe für die gute Laune während einer Vernissage. Gehalten wird sich fast immer von einem graumelierten Kunstprofessor oder Kritiker, der meist auch die Werkübersicht des Künstlers herausgegeben hat oder das Katalogvorwort schreiben durfte. Eine Laudatio auszuhalten fordert dem Galerie-Besucher allen verfügbaren Humor ab. Kunst-Experten neigen bekanntlich dazu, weniger über die Gemälde an der Wand zu reden als über Malerei an und für sich, das Weltentheater, das Göttliche schlechthin oder auch die Unendlichkeit, sofern sie beschreibbar ist. Hier ist die stoische Geduld einer Buddha-Statue gefragt. Wenn man alle 40 bis 60 Sekunden während der Rede nickt und drei- bis viermal nach irgendwelchen x-beliebigen Sätzen „aha“ sagt, outet man sich als wahrer Kunstkenner.“

Ich habe diese „Ahas“ in den vergangenen Minuten nicht gehört und hoffe, dass das nicht nur an meinem altersgerecht nachlassenden Hörvermögen liegt. Hoffentlich habe ich Ihre Geduld nicht allzu sehr strapaziert. Jedenfalls wünsche ich ihnen nun viel Freude und schöne Einsichten beim Gang durch diese Ausstellung, darf Sie auf den ausliegenden Katalog über Werk und Leben der Malerin und Galeristin Maria Kreuzer hinweisen, der wirklich sehr gut gelungen ist – obwohl auch ein längerer Beitrag von mir darin zu finden ist -, bedanke mich bei der Kanzlei dafür, dass sie ihre Räume für diese schöne Ausstellung zur Verfügung stellt und bei Ihnen allen herzlich für ihre Geduld!

Dr. Heinz Linduschka

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