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GALERIE MARIA KREUZER
IN AMORBACH 1975-2014

2013
AUSSTELLUNGS - PRESSE ARCHIV

Mobirise

Main-Echo 24-05-2013

Manchmal sind Ausstellungseröffnungen so, dass man die Kunst vor lauter die Kunst betrachtenden Menschen nicht sieht.

So geschehen auf der kürzlichen Vernissage in der Galerie von Maria Kreuzer in Amorbach, als sich mehrere Dutzend Kunstinteressierte an den Werken von Bernd Wesselburg und Anette Mürdter entlangschoben, während Loy Wesselburg mit elektronischen Vibes für die entsprechenden Klangfarben der teils mittelalterlich-abstrakten, teils humoristisch-plastischen Werke sorgte.


Szenen aus Umberto Eco-Roman

Zum Glück können sich Besucher hier noch bis zum 9. Juni in den großformatigen Aquarellen auf der Suche nach ihren Lieblingsszenen aus dem Roman »Baudolino« von Umberto Eco verlieren und genüsslich das Absurde in den ins tier- und karikaturhaften Terrakotta-Menschen von Anette Mürdter suchen.

Wer Ecos tragischen Roman gelesen hat, wird eine helle Freude daran haben, die schöne und geheimnisvolle Seiten des Mittelalters zu entdecken. »Normalerweise habe ich immer ein Motiv benötigt«, so der 76-jährige Wesselburg, der seit 1988 regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen in der Region präsent ist.

Jetzt hat der Arzt und Maler mit seinem Bilderzyklus die Überschrift des Romans gegeben. »Baudolino« hat in so inspiriert, dass er die prägendsten Wendepunkte im Leben der Romanfigur auf Leinwand gebannt hat. Während die ersten Bilder des Zyklus in Öl auf Acryl-Platten gemalt sind, sind die meisten Bilder Aquarelle, die der gelernte Buchdrucker in der für ihn typischen »Nass in Nass Technik« gemalt hat: Die spontanen Farbmischungen, die konturlosen Schattierungen, die sich zu abstrakten Formen entwickeln, entfalten ihren besonderen Reiz vor dem Hintergrund des schillernden, verblüffenden und unterhaltsamen 12. Jahrhundert, wie es Eco in seinem historisch-fiktiven Roman dargestellt hat.

Laudator Heinz Linduschka zitierte Originalpassagen aus dem Roman, die er in Wesselburgs Werken künstlerisch zur Blüte gereift sah. So lässt sich in den farbigen Aquarellen herauslesen, wie sich der junge Held in die Kaiserin Beatrix verliebt und was seine Liebe zu Hypathia bedeutet. Weiterhin erfährt der Betrachter, dass Baudolino Friedrich Barbarossa aus Nebel und Sumpf zieht. Der Kaiser ist daraufhin so begeistert von dem frechen, italienischen Bauerssohn, dass er ihn adoptiert, heißt es.

Sowohl Eco als auch Wesselburg hätten sich ganz an den Ratschlag Otto von Freisings gehalten: »Wenn du keine Nachrichten über jenes Reich hast - erfinde welche.« Wesselburgs Art des Malens sei vergleichbar mit Ecos Roman: »Flächen, Formen und Farben fließen ineinander genauso wie Fiktion und Realität bei Eco.«
In diesem Zusammenhang erweisen sich die Skulpturen von Anette Mürdter wie geschaffen für die Ausstellung: »Diese witzigen, fantasievollen Mischwesen aus Tier und Mensch bevölkern die Galerie, sie bevölkern auch die Welt des Mittelalters«, so Linduschka zum »Zusammenspiel« aus Malerei und Bildhauerei.

Ton und Draht bevorzugt

Die gebürtige Stuttgarterin bevorzugt Ton und Draht als Gestaltungsmittel für ihre Skulpturen, die »das Tierische im Menschen und das Menschliche im Tier« freilegen. Die Künstlerin spiele fantasievoll, einfallsreich und immer wieder überraschend mit dem Thema »Verwandlung« - fast so, als wären ihre geheimnisvollen und proportional verzerrten »Vierbeiner«, »Das Kind im Sessel« und der »Sockelhocker« für Franz Kafkas Erzählung gemacht worden. Die veränderten Proportionen und Haltungen führten die gewohnten Sehweisen ad absurdum. Linduschka: »Es entsteht eine Mischung aus Bewegung, Kraft und Eleganz, die längst unverwechselbares Markenzeichen der Anette Mürdter geworden ist.«

Wie ein von Wesselburg gemalter Baudolino aussieht, das wisse man jetzt. Wie ein Baudolino in Terrakotta von Anette Mürdter aussieht, wäre ebenfalls interessant - und vielleicht eine Anregung für die nächste spannende Ausstellung in der Galerie Kreuzer.

Sylvia Breckl

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