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GALERIE MARIA KREUZER
IN AMORBACH 1975-2014

2010
AUSSTELLUNGS - PRESSE ARCHIV

Mobirise

Main-Echo 20-04-2010

Bewegen, bewegen – um inne zu halten

Kunst: Malerei von Liane Haas und Skulpturen von Konrad Franz unter dem Motto »Menschenkenntnis« in der Amorbacher Galerie Kreuzer


AMORBACH   Ein Blick genügt, um zu wissen, mit wem man es zu tun hat.

Wirklich?

Es sind weniger die Sichtweisen denn die Blickwinkel, die die Spannung in der gemeinsamen Ausstellung von Liane Haas und Konrad Franz in der Amorbacher Galerie Kreuzer erzeugen: Mit raumgreifendem Pinselstrich zieht sie auf großflächige Leinwände Ölfarben in dicken Bahnen, filigran wirken in ihrer gen Himmel strebenden Art selbst seine voluminösen Holz- und Bronzeskulpturen. Gegensätze, deren Kontrast um so deutlicher scheint, solange der Blickwinkel ihr Malen und sein Modellieren nebeneinander stellt – und harmonisches Miteinander, wenn beider Werk deckungsgleich wahrgenommen wird.

Zwei Gesichter

Die den Wesen des Konrad Franz inne wohnende Stille – deren Charakteristik von ruhigem Glück bis zur selbstversunkenen Ergebenheit reicht – findet ihre Ergänzung also durchaus in den energiegeladenen Gefühlsausbrüchen der Haas'schen Lebenswelten: Nicht umsonst sprechen wir von den zwei Gesichtern eines Menschen, von seiner Schale und seinem Kern; davon, dass der eine unergründlich scheint, und im Gesicht des anderen gelesen werden kann wie in einem offenen Buch.

»Menschenkenntnis« ist das gemeinsame Thema, mit dem die Galeristin Maria Kreuzer den seit 1993 in der alten Dorfkirche von Hausen (Kreis Miltenberg) (er)schaffenden Konrad Franz und die seit sieben Jahren in Amorbach lebende und nun erstmals in ihrer neuen Heimat ausstellende Liane Haas zusammen bringt: Denn der Mensch in all seiner Verletzbarkeit steht im Mittelpunkt der bei dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten des vor seiner Zeit als freischaffender Künstler gelernten Krankenpflegers Konrad Franz und der nach ihrem Studium an der Akademie der Künste Mannheim heute in einer Arztpraxis tätigen freischaffenden Künstlerin Liane Haas.

Da steht Franz' mannshohe, wie vom Zeitenlauf gedunkelte Bronze »Steppenwolf« also – je nach Blickwinkel – neben oder mitten in Haas' »Tsunami« aus aufgischtenden Grellfarben. Da sinniert sein »Herr Mann« aus mit Kalk und Pigmenten imprägnierter Linde über ihren »Türkischen Basar« im tosenden Farbenfluss: Gut möglich aber auch, dass – auf den Standort des Betrachters kommt es an – »Herr Mann« gerade eintaucht in das Basartreiben und dort eins wird mit dem Gewimmel aus Köpfen und Händen und Körpern.

Verschiebung des Blickwinkels

So fügen sich Skulptur und Malerei zu Geschichten – und ganz allmählich begreifen wir, dass jede Verschiebung des Blickwinkels uns einen anderen Eindruck von den plötzlich ganz und gar nicht mehr abstrakt wirkenden Menschen-Bildern gibt. Um die eigene Achse drehen, eine Skulptur umkreisen und den Blick bei Zeiten auf das Gemälde an der Wand dahinter scharf stellen, auf Gemälde-Skulptur-Ensembles zugehen und vor ihnen wieder zurück weichen, die Distanz der beiden vorderen Ausstellungsräume – im hinteren, dritten Raum sind mehrere kleinformatige erotische Tusche- und Beizezeichnungen von Liane Haas – ausnutzen und die durch die Schaufensterfronten brechenden Lichtspiele gleich noch mit in den Ausstellungsrundgang einbeziehen: Kunst darf durchaus Spaß machen – und es ist eine Freude, hier in dieser Ausstellung in permanenter Bewegung zu bleiben, um den fürs eigene Befinden richtigen Moment des Innehaltens zu finden.
Nicht mehr 15 Franz-Skulpturen und 13 Haas-Malereien sind es, die in der Galerie zu sehen sind, sondern zahllose Begegnungen/Verschmelzungen/Entfremdungen.

Nein, ein einziger Blick genügt nicht, um zu wissen, mit wem man es zu tun hat: nicht, um die Künstler derart für ein Genre zu rubrizieren – aber auch nicht, um sich selbst zu erkennen.

Stefan Reis

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