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GALERIE MARIA KREUZER
IN AMORBACH 1975-2014

2011
AUSSTELLUNGS - PRESSE ARCHIV

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Main-Echo 22-09-2011

Der Mensch als Gegenstand der Kunst

Skulpturen von Rainer Lechler und Bilder von Wieland Jürgens in Amorbachs Galerie Kreuzer


Amorbach.    Der Mensch als Gegenstand der Kunst, ein interessantes Changieren zwischen abstrakter und konkreter Darstellung - es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Skulpturen von Rainer Lechler und den Bildern von Wieland Jürgens, die in der Amorbacher Galerie Maria Kreuzer in gewohnt perfekter Präsentation in den nächsten vier Wochen zu sehen sind.

»Im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit steht nach wie vor der Mensch« bekannte der heute 70-jährige Bildhauer Rainer Lechler aus Stuttgart, der schon 1998 zwei Holzskulpturen zum Seegartensommer in Amorbach beisteuerte. 14 seiner Werke sind diesmal in der Galerie zu sehen.

Vorsichtig idealisiert

Schon im Eingangsbereich zieht eine Adam-und-Eva-Darstellung aus getöntem Apfel die Blicke der Eintretenden auf sich - naturalistisch, aber auch stilisiert, vorsichtig idealisiert, ohne jedes falsche Pathos und ohne Süßlichkeit. In expressionistischem Gestus sind ein »Emporstrebender« aus Eiche mit Blattgold dargestellt und - von ganz intensiver Wirkung - eine verletzte, verletzliche Figur mit dem sprechenden Titel »Erinnerungen an die Verhungernden im Sudan«.

Fünf Torsi zeigen, welch unterschiedliche Wirkungen unterschiedliche Materialien und Bearbeitungen erzielen können. Da steht der fast klassisch wirkende Marmortorso neben einem Nussbaumobjekt, das Wärme und Nähe verströmt, und einer seltsam glatten, fast abweisend wirkenden idealisierten Figur aus Mooreiche. »Die letzte der klugen Jungfrauen«, ein Holzflachrelief, wirkt wie eine witzige Auseinandersetzung mit ägyptischen Figuren - ernsthafte Beschäftigung mit existenziellen Fragen kann also auch mal mit Augenzwinkern passieren.

Die Skulpturen von Lechler, der 1990 mit dem Arthur-Grimm-Preis für Plastik ausgezeichnet wurde, harmonieren ideal mit den Bildern von Wieland Jürgens, der 1945 bei Leipzig geboren wurde, seit Ende der 70er Jahre sein Atelier und die Produzentengalerie Kunsthalle in Zellingen betreibt und seit 2009 hauptsächlich in Berlin lebt und arbeitet. Wieland ist ein Musterbeispiel für einen bildenden Künstler, der intensiv Kunstströmungen und -entwicklungen reflektierend begleitet - nicht zuletzt in der Kunststreitschrift »Quer«, die er mitbegründete. Er lässt sich nie auf eine bestimmte Richtung festlegen und meidet eingefahrene Gleise - auch wenn sie Erfolg versprechen.

Als vor einigen Jahren sieben seiner Vogelbilder von Reinhold Würth angekauft wurden, änderte das an seinem steten Suchen und Experimentieren nichts - auch davon zeugen die in Amorbach präsentierten Bilder. Jürgens kehrt in ihnen wieder stärker zum Gegenständlichen, zum Figürlichen zurück und sagt selbst, dass es in der Malerei nichts Schöneres und Wichtigeres gebe als den Menschen. In der Galerie Kreuzer wird dieses Credo genauso intensiv künstlerisch dargestellt wie Jürgens’ Interesse an Geschichte und Mythologie.

Er, der gerne in Serien arbeitet, zeigt weibliche Gottheiten, die in abstrakter Malerei, aus geheimnisvollen Flächen auftauchen, manchmal auch als zweite Hälfte eines Bildes, das erst im Ganzen richtig zur Geltung kommt. »Kalypso« und »Raubmöwe mit Ring« sind solche Beispiele aus den letzten Schaffensjahren, großformatige Acrylgemälde, die auch einen zweiten und dritten Blick des Betrachters verlangen und dafür mit ganz spannenden und immer wieder neuen Ein- und Ansichten belohnen.

Dass Jürgens Humor und Phantasie besitzt, beweisen einige kleinformatige Bilder, oft in Mischtechnik, die schon im Titel einiges verraten, wie »Eichhörnchen mit Spachtel« oder »Leopardennilpferd«. Immer wieder zu sehen: Jürgens’ Signatur, ein weißes Oval mit schwarzen, unregelmäßig verteilten Strichen, eine Form des Strichcodes. Konsequenz aus der Einsicht des Künstlers, dass in unserem Warenzeitalters alles zum Produkt erklärt wird, zugleich ein Beleg dafür, dass politisch-gesellschaftliches Engagement alles andere als trocken und humorlos sein muss.   

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