free bootstrap themes

GALERIE MARIA KREUZER
IN AMORBACH 1975-2014

2011
AUSSTELLUNGS - PRESSE ARCHIV

Mobirise

Main-Echo 17-06-2011

Kunst mit V-Effekten und ganz viel Witz und Phantasie

Bilder von Antje Seemann und Plastiken von Anette Mürdter in Amorbach


Amorbach.    Blickfänge gehören ins Schaufenster – wenn das ein Erfolgsrezept sein sollte, dann müssten in den nächsten vier Wochen die Kunstfreunde vor der Galerie Maria Kreuzer in Amorbach Schlange stehen. Witzige, filigrane und vor Phantasie und Spielfreude fast überschäumende Terrakotta-Skulpturen von Anette Mürdter wecken spontan Interesse und locken alle in die Galerie, die sich die Neugier auf Neues noch erhalten haben. Die kleinen Plastiken zeigen eine ideale Verbindung von Terrakotta und Draht, die sich in der „Figur im Würfel“ sogar als untrennbare Symbiose in Form, Material und Dynamik präsentiert. Der „Ausritt“ beweist, zwei Reiter auf einem Pferd können noch so dynamisch wirken, wenn sie Rücken an Rücken sitzen, bleibt das Vorankommen zumindest zweifelhaft. Der riesige „Kauernde“ im Eingangsbereich belohnt jeden, der die „Schwelle“ zur Galerie überwunden hat, mit einer faszinierenden Mischung aus menschlicher Gestalt und Tierdarstellung, ein Markenzeichen der Künstlerin, die 1965 in Stuttgart geboren wurde. Mit ihren Skulpturen legt sie das Tierische im Menschen frei und zeigt das Menschliche im Tier, der Tonklumpen wird in ihren Händen zu einem Karikaturstift, der allerdings Karikaturen schafft, über die man nicht lacht, sondern über die man sich freut und die auf kurzweilige, witzige Weise zum Nachdenken anregen. „Frau mit Kinderwagen“ ist ein häufig behandeltes Motiv in Mürdters Schaffen, eine beeindruckende Darstellung einer teils abstrahierten mächtigen Mutterfigur, die mit vollem Körpereinsatz einen Wagen schiebt, der keine funktionierenden Räder hat und durch ein aufrecht stehendes brüllendes Kleinkind wie ein Schwerlasttransporter belastet wird. Und trotz mehrfachen Hinschauens bleibt es rätselhaft, warum man beim Betrachten des Wagens den Eindruck von großem Tempo und hoher Dynamik gewinnt. Anette Mürdter spielt souverän und einfallsreich mit dem Thema „Verwandlung“ – nicht theoretisierend, sondern ganz konkret, wenn auch immer wieder überraschend und manchmal geheimnisvoll. So mancher mag bei den Objekten an Franz Kafka gedacht haben: So könnte es aussehen, wenn dessen „Verwandlung“ oder „Bericht für eine Akademie“ bruchlos und sensibel künstlerisch umgesetzt werden soll.  

Es steckt auch eine Art V-Effekt, eine Verfremdung, in Mürdters Plastiken, die aber viel witziger, viel unterhaltsamer, viel weniger lehrhaft daherkommt als die ihres „Erfinders“ im epischen Theater, Bert Brecht. Diese Verfremdung verbindet sie mit den Bildern von Antje Seemann, mit der sie verblüffenderweise zum ersten Mal gemeinsam ausstellt. Die Werke der beiden scheinen nämlich wie füreinander gemacht. Auch Antje Seemann, die in Braunschweig geboren wurde, genau wie Mürdter eine Reihe von Preise gewonnen hat und heute in Aachen lebt und arbeitet, zeichnet sich durch eine fast schon selbstverständliche handwerkliche Perfektion aus und verfremdet in ihren Bildern Landschaften ganz persönlich, ganz authentisch und sehr facettenreich. Die oft großformatigen Linolschnitte des Schwarzwalds zeichnen sich durch beeindruckende Präzision aus, verzichten auf Licht-Schatten-Effekte und abgestufte Grauwerte. Als Betrachter ist man sich nie so ganz sicher, ob man hier abstrakte Kompositionen oder Natur pur und unverschnörkelt vor sich sieht – vermutlich sind die Linolschnitte eine Mischung aus beidem. Es ist nie der schnelle „Foto-Blick“, es gibt immer mehrere Ebenen auf den Bildern, auch auf den „inszenierten Landschaften“, die längst zu Seemanns Markenzeichen geworden sind. Landschaftsfotografien übermalt sie mit Ölfarben so stilsicher, dass man als Betrachter emotional in die Bilder und ihre Stimmungen hineingezogen wird. Es entstehen durch die Übermalung und das Zusammenspiel oder den Kontrast mit dem Foto suggestive Landschaften, die Wohlgefühl und Zufriedenheit genau so überzeugend provozieren können wie Unruhe oder das Gefühl undefinierbarer Gefährdung. Man muss sich nur auf dieses emotionale Spiel einlassen, das Antje Seemann mit Fotografie und Öl vorführt, man kann tatsächlich eine Art meditativen Dialog mit den Bildern führen und man ahnt, dass die Künstlerin mit diesen Bildern viel von ihrem Seelenleben und von ihren Stimmungen preisgibt – gespiegelt durch den ganz subjektiven Blick auf die Landschaft.      

PRESSE ARTIKEL AUF- UND ABBLÄTTERN

    

GALERIE MARIA KREUZER
IN AMORBACH 1975-2014
WEITERE THEMEN

DANKE FÜR IHR INTERESSE !

KONTAKT  I  IMPRESSUM


© 2017 MARIA KREUZER