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GALERIE MARIA KREUZER
IN AMORBACH 1975-2014

2012
AUSSTELLUNGS - PRESSE ARCHIV

Mobirise

Main-Echo 11-07-2012

Ahnung und Rausch

Expressionismus: »Ausgewählte Grafiken« von Fritz Schaefler und Christian Schad in der Amorbacher Galerie Kreuzer


Amorbach.   So muss schon sehr kunstbegeistert sein, wer Zeit findet, um ab Donnerstag, 20. Juli, in der Aschaffenburger Jesuitenkirche die Ausstellung »Entartete Kunst vor 75 Jahren«, die Fritz-Schaefler-Sammlung des Mäzens Joseph Heymann (siehe Beitrag »Das Bild der 1920er Jahre«) im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen und die nur bis 29. Juli terminierte Darstellung »Ausgewählte Grafiken - Christian Schad und Fritz Schaefler« in der Amorbacher Galerie Kreuzer (Kreis Miltenberg) zu erkunden und in Einklang zu bringen.
Dabei sind gerade die unabhängig voneinander konzipierten Ausstellungen in Amorbach und Aachen hochinteressante gegenseitige Ergänzungen: Werden in Aachen hauptsächlich Gemälde und Aquarelle des aus Eschau (Kreis Miltenberg) stammenden Expressionisten Fritz Schaefler (1888 bis 1954) gezeigt, sind in Amorbach vor allem Holzschnitte und Radierungen aus einer privaten Sammlung im Landkreis Miltenberg zu sehen: Werke, die zwischen 1917 und 1919 entstanden und damit in der Zeit von Schaeflers aktivem politischem Engagement in der Münchner Räterepublik und im Aktionsausschuss Revolutionärer Künstler - dokumentiert neben anderem im Holzschnitt mit dem Porträt des ermordeten ersten Ministerpräsident des von ihm ausgerufenen »Freistaates« Bayern, Kurt Eisner (1867 bis 1919).

Versteckte Kunst
Die - neben Porträts aus Landschaften bestehenden - Arbeiten zeigen die inhaltliche und darstellerische Nähe Fritz Schaeflers zu dem wesentlich renommierteren Altersgenossen Ernst Ludwig Kirchner (1880 bis 1938) aus Aschaffenburg. Es gilt schon die Lebensläufe der beiden Künstler zu vergleichen, um zu verstehen, dass dem einen Kunst tatsächlich mehr persönlicher Ausdruck schien und dem anderen eine Möglichkeit des Auskommens: Im Gegensatz zu Kirchner war Schaefler zwar in der Kunst, sicherlich aber nicht als Mensch ein ausgewiesener Expressionist. Fast sinnbildlich wirkt da, dass Schaeflers wohl aufrührerischstes Werk (für seine Entstehungszeit) der Ausstellung - das Aquarell »Kreuzigung« von 1920 in der Galerie - eher versteckt hinter der Eingangstür zu finden ist: Der Künstler war keiner, der offensichtlich die Konfrontation um jeden Preis suchte.
Insofern korrespondieren Schaeflers Werke in der Galerie Kreuzer unter kunsthistorischem Aspekt aufs Beste mit den im Nachbarraum vertretenen Holzschnitten und Radierungen Christian Schads (1894 bis 1982) aus der selben Sammlung. Auch der nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) in Aschaffenburg und Keilberg (Kreis Aschaffenburg) lebende und arbeitende Schad verstand wie Kirchner Kunst als Sinnesreiz - in ästhetischer wie inhaltlicher Bedeutung: So viel es bei genauer Betrachtung in den Werken Schads und Kirchners immer wieder zu entdecken gibt - so unmittelbar beeindrucken sie bereits auf den ersten Blick.
Wider die Uniformität
So gerät der Besuch der Amorbacher Galerie zu einem schönen Wechselspiel des Gefühls: Die Aufnahme von Fritz Schaeflers Kunst lebt vom Entdecken von Nuancen des Ausdrucks, die von Christian Schads Schaffen von einer sofortigen Rauschhaftigkeit. Beides zusammen ist nichts anderes als der Beweis, dass Kunst immer lebendig ist - und ihr nie Uniformität übergestülpt werden kann. 

Stefan Reis

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